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Neue Welle - Die Erneuerung des europäischer Film in den 60er und 70er Jahren

"68" steht als Chiffre für Aufbruch, Rebellion und Protest. In dieser gesellschaftlichen Bewegung wirkten dieselben Kräfte, die über einen längeren Zeitraum auch zu einer Erneuerung des Kinos führten. Nouvelle Vague, Cinema Nuovo, Free Cinema und Neue Deutsche Welle sind nationale, europäische Ausprägungen einer weltweiten Bewegung, die sich in den USA als New Hollywood Cinema zeigte..

Ursachen dafür waren die wirtschaftliche und soziale Erholung nach der unmittelbaren Aufbauzeit, die Krise der etablierten Produktionsstrukturen wie des Studiosystems in Hollywood durch die weitere Verbreitung des Fernsehens, und das Heranwachsen einer neuen Generation von Filmemachern, die weniger von den Erfahrungen des Krieges und den ideologsichen Zwängen dieser Zeit geprägt waren, bzw dagegen aufbegehrten..

Wie so oft entstand das Neue aus einer Krise heraus. Autoren, die mit geringen Budgets außerhalb der etablierten Strukturen teils auf eigene Faust produzierten mussten, gaben die wichtigsten Anstöße für die Erneuerung des Kinos. Später wurden diese Impulse unter dem Begriff des Autorenfilms kanonisiert ein hilfloser Versuch der Kritiker und Theoretiker, im Nachhinein die Bewegung in einem Begriff dingfest zu machen.

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Einige Regisseure (nur beispielhaft)

  • Frankreich: Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Eric Rohmer, Jaques Rivettes, Francois Truffaut, Costa Gavras
  • England: Alan Sillitoe, T. Richardson, J. Schlesinger
  • Italien: Federico Fellini, Nanni Moretti, Tinto Brass, Marco Bellocchio
  • Spanien: Luis Bunuel
  • Deutschland: Werner Herzog, Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Ha rk Bohm, Erika Runge, Herbert Vesely, Peter Zadek, Norbert Kückelmann
  • DDR: Frank Beyer, Heiner Carow
  • Schweden: Ingmar Bergman

P.S.: Einige Hyperlinks

Der Kinopianist Gerhard Gruber

Gerhard Gruber wurde 1951 in Aigen/Mk. (O.Ö.)nahe der tschechischen Grenze geboren. Auch heute noch ist ihm dieser karge Landstrich im Norden Österreichs lieb und teuer; für ihn bedeutet er Zurückgezogenheit und Stille im Ausgleich zum turbulenten Berufsleben.

Mit zehn Jahren "übersiedelt" er in ein Internat in Linz-Urfahr. Dort kommt er sehr früh in Berührung mit dem Stummfilm, der später eine bedeutende Rolle in seiner beruflichen Laufbahn spielen sollte. In regelmäßigen Abständen gab es an Sonntagvormittagen Stummfilmprogramm mit Buster Keaton, Laurel & Hardy und Charlie Chaplin.

Stummfilm-Aufführungen gehören in der Kulturwelt eher zu den Raritäten; "eine Ritze in der Nische", wie Gerhard Gruber es zu bezeichnen pflegt. Trotzdem ist das Begleiten von Stummfilmen für ihn seit 1988 zum zweiten beruflichen Standbein geworden.

Sein Repertoire umfasst ca. 400 verschiedene Stummfilme; Auftritte führten ihn über Österreich hinaus bereits nach Tokyo, Australien, Kroatien, Bordeaux, Hamburg. Viennale, Diagonale, Filmarchiv Austria, Österr. Filmmuseum, viele Orte in den Bundesländern und natürlich das Breitenseer Kino waren in Österreich seine Spielorte. Als Theaterkomponist war er im Jahre 2006 Nestroypreisträger.

Wichtig ist ihm, dem Publikum seine Begeisterung für diese Filme in seiner Musikbegleitung weiterzugeben, in eine Welt zu verführen, die längst untergegangen zu sein scheint und uns trotzdem immer wieder erneut berührt oder uns zum Lachen bringt.

Sei es sein Musik-Marathon beim Sommerkino 1999 "Kings of Comedy" (über 80 Filme an 17 Tagen durchgehend), die Vertonung des Stummfilmes "Die Stadt ohne Juden" (zusammen mit Adula Ibn Quadr/Geige und Peter Rosmanith/Percussion) oder die vielen Aufführungen im Metrokino des Filmarchiv Austria und bei andereren Veranstaltern - immer ist sein voller Einsatz Garant für dichte, spannende und vergnügliche Stunden.

„Es war, als wäre ich in den Film hineingefallen“

(Rohrbacher Rundschau vom 3.1.2008)
Gerhard Gruber (56), gebürtiger Aigner, macht als einziger Österreicher hauptberuflich mit seinem Klavier Musik zu Stummfilmen. Mit der Rohrbacher Rundschau hat er über seine Musik gesprochen und darüber, warum er immer live improvisiert und ohne Proben zu Filmen spielt.

Warum gerade Filmmusik?

Das Musikalische verfolgt mich seit meiner Kindheit. In meiner Zeit als Schüler habe ich viele Stummfilme im Internat gesehen. Ich habe mich sehr lange nicht als Musiker bezeichnet. Jeder Mensch macht etwas – und ich mache Musik. Ich habe ein Interesse daran, Bilder in eine andere Sprache umzusetzen. Für mich ist die Musik der normalste Weg, etwas auszudrücken. Ich sehe mich mehr als Erzähler mit Hilfe des Instrumentes, denn als Musiker.

Was ist das Besondere an der Filmmusik für einen Stummfilm?

Ein Stummfilm ist etwas Historisches, etwas Wiederbelebtes. Es geht nicht darum, Nostalgie zu verbreiten. Es ist Blödsinn zu denken, ich setzte einen Zylinder auf und setze mich mit einem Bier zum Klavier. Filme ohne Ton erfordern eine andere Aufnahme. Ich transportiere mit meiner Musik Geschehen und Emotionen für den Zuschauer. Filmmusik kann den Film aber auch zerstören. Die Musik muss dem Film dienen – nicht die Musik soll im Mittelpunkt stehen. Wenn die Person verschwindet und die Sache übrigbleibt, ist es eine gute Sache.

Was muss ein Film für Sie haben, damit er in Ihren Augen gut ist?

Er muss mich überraschen können – in irgendeiner Form. Man könnte auch sagen: überrumpeln, verführen. Ich darf nicht hinausgehen und sagen: Das kenn‘ ich alles.

Ihr Lieblingsfilm?

Das ist schwer zu sagen. Jeder gute Film ist im Moment ein Lieblingsfilm.

Gibt es für Sie auch gute Hollywood-Filme?

Es gibt schon auch gute Hollywood-Filme. Aber es ist nicht zwingend der Aufwand, der einen Film gut macht. Heute sind die Bildschnitte so schnell. In einem Stummfilm wird beispielsweise auch drei Minuten durchgedreht. Da zeigen sich fantastische Qualitäten der Schauspieler.

Wie macht man Filmmusik?

Ich habe jahrelang gespielt, ohne den Film vorher gesehen zu haben. Es ist eine Mischung aus Reaktion und Intuition. Ich darf nicht nachdenken darüber, was ich tu‘. Ich muss wissen, wie erzeuge ich Trauer oder Freude musikalisch, wie begleitet man eine Verfolgungsjagd. Bei meiner ersten Aufführung war es, als wäre ich in den Film hineingefallen. Man ist als Filmmusiker die Figuren, das Gefühl der Figuren und die Situation. Es geht darum, zu erwischen, was gerade ist. Ich spiele die Musik zu einem Film nie im Vorhinein. Ich kann das Erleben nicht vordenken – sonst müsste ich nachher nachdenken was ich vorher vorgedacht habe.

Sind Sie nervös, wenn Sie zu jedem Film live spielen?

Konzentration und Spannung auf den Moment sind wichtig, sonst kann man das im Film nachher nicht aufbauen. Es ist wie das Trippeln eines Pferdes vor dem Rennen – aber nervös? Ich bin beim Spielen nicht hilflos wie zum Beispiel ein Theaterspieler der seinen Text vergisst.

Worauf arbeiten Sie hin?

In meinem Alter arbeiten viele auf die Pension hin. Ich freue mich, dass ich mit 56 Jahren noch so viel Energie habe. Mein Hauptziel ist es, die Energie und Lust zu bewahren. Und ich möchte meine Auslandsaktivitäten
verstärken.

Mehr unter =>> filmmusik.at

Filmschaffen in Österreich nach 1945

Im besetzten Nachkriegsösterreich, 1945 bis 1955

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung vom Nationalsozialismus war Österreich von den Alliierten besetzt, und die Filmindustrie kam aufgrund der Kriegsfolgen wie Zerstörung, Armut und Hunger nur sehr schleppend wieder ins Laufen. Es fehlte etwa an Personal, Kohle zum Heizen und Rohfilmmaterial. Die Stromversorgung kam regelmäßig zum erliegen und die Lebensmittel waren rationiert. Viele Ateliers, Kinos, andere Gebäude und Straßen waren zerstört. 1946 entstanden 2, 1947 13 und 1948 bereits 25 Filme im besetzten Österreich. Diese Zahl blieb in den kommenden Jahren etwa gleich hoch.

Nicht zuletzt wegen fehlender Höhepunkte der Filmproduktion der ersten Nachkriegsjahre fiel auch der Absatz und Vertrieb im Ausland schwer. Einzig in die Schweiz gelang der Export reibungslos. Noch 1946 war der Export von Filmen nach Deutschland fast unmöglich. Die Lage besserte sich um 1947 wieder. 1948 jedoch verhandelte Westdeutschland eine Einfuhrquote mit Österreich, die ein Verhältnis von 1:4 zugunsten Westdeutschlands vorsah.

Filmwirtschaft

Die größte Filmgesellschaft auf österreichischem Boden, die Wien-Film, wurde als „deutsches Eigentum“ von den Alliierten beschlagnahmt. Die neu gegründete Wien-Film konnte mit den Filmstudios in Sievering und Schönbrunn weiterarbeiten konnte, musste jedoch auf die Rosenhügel-Filmstudios verzichten. Diese wurden in die sowjetische USIA eingegliedert und als „Wien-Film am Rosenhügel“ von den Sowjets weiterbetrieben.

Die ersten Nachkriegsproduktionen: 1947 inszenierte J. A. Hübler-Kahla den Star-Film „Die Welt dreht sich verkehrt“. Hans Moser reist darin durch die Epochen der österreichischen Geschichte, um am Schluss zu erfahren: „Die gute Zeit liegt immer vor einem, und für die Tatsache, ob sie wirklich gut wird, sind nur wir selbst verantwortlich zu machen.“ Es war dies der erste Hans Moser-Film nach 1945.

Wenig später jedoch erschien einer der größten Kinoerfolge der österreichischen Nachkriegszeit: In „Der Hofrat Geiger“, für die Forst Film von Willi Forst und Paul Hörbiger produziert, sang Waltraut Haas ein Lied, das zum Schlager der Jahre 1947 und 1948 wurde: „Mariandl“. Der in der Wachau spielende Film basierte auf einem musikalischen Lustspiel von Martin Costa und Hans Lang. Die Funktion des Films bestand darin, die Bewohner der zerbombten Städte an einer unversehrten Landschaft zu erfreuen, und ihnen einen Kurzurlaub im Kinosessel zu ermöglichen. Der auch im Ausland gezeigte Film war zudem eine effektvolle Werbung für den Fremdenverkehr. In österreichischen Kinos erreichte der Film bis zum 30. April 1951 eine außergewöhnlich hohe Besucherzahl von 2.548.000.

Die 13 im Jahr 1947 erschienenen österreichischen Spielfilme repräsentierten bereits in etwa die Palette des österreichischen Filmschaffens der Nachkriegsjahre: Theaterkomödie, bäuerlicher Schwank, Wiener musikalische Komödie, Sommer- und Winter-Fremdenverkehrsfilme, biografische Filme, Literaturverfilmungen und Dokumentarfilme.

Filmschaffen ab 1948

Mit „Liebling der Welt“ erschien 1949 einer der seltenen Märchenfilme österreichischer Produktion. Das Drehbuch schrieben Karl Farkas und Siegfried Bernfeld. Im selben Jahr erschien die bereits dritte Beethoven-Verfilmung: „Eroica“. Regie in diesem „Musikerfilm“ spielte Walter Kolm-Veltée. Die Österreichische Filmgesellschaft (ÖFA) produzierte 1949 „Vagabunden“ mit Paula Wessely und Attila Hörbiger. Der Film wurde 1950 mit dem Sascha-Pokal für seinen Erfolg ausgezeichnet. Einen internationalen Preis erhielt hingegen Ernst Marischkas „Matthäus-Passion“.

1949 erschien „Märchen vom Glück“, welcher Gunther Philipp und Nadja Tiller ihre ersten Filmrollen verschafften. Ebenfalls 1949 schrieben Franz Antel und Gunther Philipp das Drehbuch zu Kleiner Schwindel am Wolfgangsee, der mit den Hauptdarstellern Waltraut Haas, Hans Holt, Gunter Philipp, Nadja Tiller und Rolf Olsen gedreht wurde. Rasch kam es zu weiteren Wolfgangsee-Filmen, und dieses Modell wurde in den Wörthersee-Filmen der 1960er und 1970er mit wenigen Änderungen weiter verwendet.

Vergangenheitsbewältigung im Film

Neben den Heimat- und Musikfilmkomödien entstanden in den Nachkriegsjahren mehrere Produktionen, die sich mit der jüngsten Vergangenheit auseinandersetzten. So etwa das im Gegensatz zur ersten Nachkriegsproduktion „Glaube an mich“ auf die aktuellen Lebensumstände eingehende Drama „Der weite Weg“, das sich mit den Schicksalen von Kriegsheimkehrern auseinandersetzte. Der Aufbau war allerdings typisch für einen österreichischen Heimat-, bzw. Musikfilm oder auch für eine Komödie: eine melodramatische Liebesgeschichte, eine verhängnisvolle Verwechslung, ein Missverständnis und zum Schluss ein Happy End. Jedoch war das Umfeld dieses Mal wesentlich ernster.

1948 erlangte die 1938 in die Schweiz geflohene Maria Schell in „Der Engel mit der Posaune“ ihre erste Hauptrolle. Hans Holt, Oskar Werner, Paula Wessely und Attila Hörbiger spielten in diesem von Karl Hartl inszenierten Geschichtsfilm an ihrer Seite.

Eduard von Borsody produzierte 1948, auf einem Schauspiel von Fritz Hochwalder basierend, „Die Frau am Weg“. Brigitte Horney, Otto Woegerer und Robert Freytag spielten die Hauptrollen in diesem von „Funk und Film“ als „Meilenstein am Weg einer gesunden, aufrechten und künstlerischen österreichischen Filmproduktion, wie sie sein soll und sie die Welt von uns erwartet“ gelobten Film rund um einen Widerstandskämpfer. Dieser Film zählte neben „Der Hofrat Geiger“ und „Der Herr Kanzleirat“ auch zu den acht Filmen, die 1948 offiziell in Deutschland gezeigt werden konnten.

Eine sehr erfolgreiche Produktion war Helmut Käutners „Die letzte Brücke“ aus dem Jahr 1954. Der etwas verklärende Antikriegsfilm handelte von einer deutschen Ärztin die in Gefangenschaft der jugoslawischen Partisanen gerät und dort tapfer ihrer ärztlichen Pflicht weiter nachgeht. Die Hauptdarstellerin Maria Schell stieg dank diesem Film zum Star auf. Bei den Filmfestspielen von Cannes gewann sie den Preis für die beste Darstellerin.

Filmschaffen zu Beginn der 1950er-Jahre

Österreich war in den 1950ern ein beliebter Drehort für bundesdeutsche Produktionen, die hier auf günstige Bedingungen zurückgreifen konnten. Zugleich ergab sich für österreichische Filmschaffende die Chance, über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu werden. Zahlreiche Filmregisseure und vor allem Schauspieler wanderten in die Bundesrepublik aus.

Auch österreichische Literatur des 19. Jahrhunderts wurde wieder vermehrt wahrgenommen. Der Heimatfilm „Das Mädchen vom Pfarrhof“ basierte auf dem bereits zur Stummfilmzeit beliebten und mehrfach verfilmten Drama „Der Pfarrer vom Kirchfeld“ von Ludwig Anzengruber.

Was die Wiener Produktionen nicht schafften, bewerkstelligte 1950 die britische Produktion „Der dritte Mann“. Der Agentenfilm mit seiner berühmten Zithermusik von Anton Karas machte Wien weltberühmt.

1950 erschien mit „Erzherzog Johanns große Liebe“ von Regisseur Hans Schott-Schöbinger nach „Hofrat Geiger“ der zweite wesentliche Fremdenverkehrswerbefilm für Österreich. Der romantische, und für viele Sehnsucht nach einer gesicherten Zeit weckende, Film lockte ein großes Publikum in die Kinos. Paula Wessely griff 1951 diesen Erfolg auf und engagierte sich als Produzentin selbst für die Hauptrolle in „Maria Theresia“, der ihr ob des schwächelnden Drehbuchs jedoch keinen großen Erfolg bescheren konnte. Ermuntert durch den Erfolg der britischen Dokumentation „Eine Königin wird gekrönt“, brachte Ernst Marischka 1953 mit seiner Erma-Film „Mädchenjahre einer Königin“, eine operettenartige Aufarbeitung der englischen Geschichte, hervor. Für die Hauptrolle der jungen Königin Viktoria entdeckte er Romy Schneider.

Im selben Jahr sprang auch Franz Antel auf den Zug der Verfilmungen von Lebensgeschichten des Hochadels auf und schrieb das Drehbuch zu „Kaiserwalzer“, für den er auch Regie führte. „Kaiserwalzer“ erreichte in Deutschland das höchste Einspielergebnis, das ein österreichischer Film bis dahin erreicht hatte. Ernst Marischka folgte mit der Vindobona-Film-Produktion „Der Feldherrnhügel“ nach Alexander Roda Roda, der 1926 schon einmal verfilmt wurde, worauf Antel 1954 wiederum mit dem Agfacolor-Farbfilm „Kaisermanöver“ konterte. Daraufhin stellte Ernst Marischka 1955 „Die Deutschmeister“, erneut mit Romy Schneider, her - ebenfalls in Agfacolor. Im selben Jahr folgten noch „Hofjagd in Ischl“ von Hans Schott-Schöbinger und „Der Konreß tanzt“, wieder von Franz Antel und der Neusser-Film. Die berühmteste all dieser Produktionen gelang letztendlich doch noch Ernst Marischka, als er 1955 mit „Sissi“ den Auftakt zur weltweit erfolgreichen Sissi-Filmreihe macht.

Ein einzigartige und außergewöhnliche Produktion der österreichischen Filmgeschichte erschien 1952. Mit Geldern der Bundesregierung entstand der Science-Fiction-Film „1. April 2000“. Der Film handelt von der Erklärung der Unabhängigkeit Österreichs und der darauf folgenden Empörung der „Weltschutzkommission“. Die millionenteure Produktion sollte die Alliierten an ihre Entlassung Österreichs in die Unabhängigkeit erinnern. Nicht 48, sondern bereits drei Jahre später geschah dies tatsächlich. Ob der Film hierbei eine Rolle spielte, ist nicht bekannt.

Höhepunkt der Lustspieldramaturgie

In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre erlebten die Musik- und Reisekomödien ihren Höhepunkt. Von der Kritik abgelehnt und von den Intellektuellen belächelt, erreichten solche Filme jedoch große Akzeptanz unter der Bevölkerung. Wichtige Regisseure dieser Jahre waren Franz Antel, Alfred Stöger, Hubert Marischka, Harald Reinl, Gustav Ucicky, Hans Schott-Schöbinger, Alfred Lehner oder Alfons Stummer, wobei sie in der Regel keine ästhetischen Neuerungen durchsetzten, sondern für eher konventionelle Inszenierungen sorgten. Mit „Das Kind der Donau“ drehte Marika Rökk 1951 den ersten österreichischen Farbfilm der Nachkriegszeit.

Als bekanntester Vertreter von Reise-, und Musikkomödien, aber auch Heimatfilmen, drehte Franz Antel in den 1950ern einige der erfolgreichsten österreichischen Filme, wobei er zwischen den Genres pendelte und in „Spionage“ (1955) sogar den Fall des Oberst Redl aus der Monarchie aufgriff und einen durchaus seriösen Film vorlegte. In „Der alte Sünder“ (1951) ließ Antel, inspiriert durch den Erfolg von Martin Costas „Hofrat Geiger“, einige Darsteller Gesangseinlagen abliefern. Franz Antel verschaffte auch jungen Schauspielern wie Gunther Philipp in „Eva und das Paradis“ (1954) und Peter Alexander in der Reisekomödie „Verliebte Leute“ ihre ersten Hauptrollen. Diese frühen Produktionen Antels zählen heute zu den Klassikern der österreichischen Filmkomödie.

Die Schönbrunn-Film produzierte neben „Hallo Dienstmann“ mit dem hervorragend zusammenspielenden Duo Hans Moser und Paul Hörbiger und „Alter Sünder“ auch die Geschichte rund um die Wiener Volkssängerin „Fiakermilli“ - gespielt von Gretl Schörg. Im selben Jahr versuchte Regisseur Ernst Marischka mit der Richard Tauber-Biografie „Du bist die Welt für mich“ den Sängerfilm wiederzubeleben. Der Versuch wurde 1954 mit dem Zirkusfilm „König der Manege“ fortgesetzt. Damalige Hörfunk- und Plattenstars wie Rudi Schuricke, Vico Torriani und Rudolf Schock sollten solche Filme bereichern.

Zwischen Kommerz- und Avantgardefilm, 1955 bis 1970

1955 startete in Österreich der Probebetrieb des Fernsehens, welches es in Westdeutschland bereits gab. Eine neue Konkurrenz für das Kino zeichnete sich ab. 1969 nahm der Österreichische Rundfunk (ORF) das Farbfernsehen auf, ab 1970 bestanden zwei vollwertige Programme. Die Konkurrenz durch das Fernsehen machte weltweit die Filmproduzenten erstmals darauf aufmerksam, dass ihre Produktionen nicht mehr so selbstverständlich und ohne Anstrengung verkauft werden konnten. Die US-amerikanische Filmindustrie reagierte umgehend darauf mit der Einführung der Produktionstechniken Cinemascope, Cinerama, 70-mm-Film, 3-D-Spektakeln und der Herstellung von Filmen mit aufwändigen Bauten und Menschenmassen - ähnlich den Monumentalfilmen der 1920er-Jahre. Die technischen Änderungen wurden auch vom Rest der Welt, inklusive Österreich, bald übernommen. Ab 1957 gab es österreichweit regelmäßigen Fernsehbetrieb an sechs Wochentagen.
Die Spielfilmproduktion erlebte 1956 ein außergewöhnliches Hoch, doch schon 1958 war das letzte große Jahr von Heimat- und Monarchiefilmen.

Filmwirtschaft

Nach Abzug der Alliierten gingen die Rosenhügel-Studios in den Besitz der nun staatlichen Wien-Film über, welche kein Interesse an einer Fortführung der Filmproduktion zeigte. Bis auf die Atelieranlagen Simmering gingen 1966 alle Wien-Film-Studios in den Besitz des ORF über.
Nach dem Erfolgsabsturz der inhaltlich immer gleichen Komödien, Operetten- und Heimatfilme, der sich bereits ab 1958 erkennbar machte, ging deren Produktion drastisch zurück. Ab Mitte der 1960er auch das Kinosterben ein.

Komödien, Eisrevue-, Operetten- und Monarchiefilme

Abgesehen von den Heimatfilmen entstanden dieser Jahre auch Eisrevuefilme wie „Symphonie in Gold“ (1956) oder dem Heimatfilm nahe stehende Operettenfilme wie Karl Parylas „Gasparone“ (1956) nach Carl Millöcker und Ernst Marischkas „Opernball“ (1956) nach Richard Heuberger.

Erst nach einer vierjährigen Pause entstand 1960 mit „Im weißen Rößl“ von der Sascha-Film ein weiterer Operettenfilm. Die musikalischen Arrangements wurden modernisiert und neue Stars eingesetzt. So spielten in „Im weißen Rößl“ Peter Alexander und Waltraut Haas. Die letzten kommerziellen Operetten-Verfilmungen entstanden von der Sascha-Film im Jahre 1962: „Die Fledermaus“, „Hochzeitsnacht im Paradies“ und „Die Lustige Witwe“. In allen dreien spielte Peter Alexander eine tragende Rolle, in zweien an der Seite von Marika Rökk.

Weitere volkstümliche Filme und Komödien dieser Jahre waren etwa „Ober Zahlen“ (1957), „Hallo Taxi“ (1958), „Im schwarzen Rößl“ (1961), „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ (1961), „Mariandls Heimkehr“ (1962),
„Hochzeit am Neusiedlersee“ (1963), „Happy End am Attersee“ (1964) und „Liebesgrüße aus Tirol“ (1964). In der erfolgreichen Produktion „Graf Bobby“ beispielsweise spielte Peter Alexander die Hauptrolle. In mehreren Fortsetzungen wie etwa „Graf Bobby, der Schrecken des Wilden Westens“ (1966), bekam man den singenden Schauspielstar ihn in den unterschiedlichsten Verkleidungen zu sehen - unter anderem als Frau.

Auch Monarchiefilme entstanden in den 1950ern nach altbewährtem Muster. So erschienen 1956 E. W. Emos „Ihr Korporal“ und Franz Antels „Kaiserball“. Willi Forst inszenierte ebenfalls 1956 „Kaiserjäger“ mit Erika Remberg, Rudolf Forster, Oskar Sima und Gunther Philipp. Das Drehbuch stammte von Kurt Nachmann, die Musik von Hans Lang. Weitere Filme über die Habsburger-Monarchie waren „Der Kaiser und das Wäschermädel“ (1957), Franz Antels „Liebe, Mädchen und Soldaten“ (1958) mit den Sängern Renate Holm und Willy Hagara und „Mikosch im Geheimdienst“ (1959) mit Gunther Philipp.

Viele Filme trugen auch intensive Fremdenverkehrswerbung in sich. So zum Beispiel „Holiday am Wörthersee“ (1956), „Verlobung am Wolfgangsee“ (1956), „Liebe, Sommer und Musik“ (1956) mit den Günther-Zwillingen, Franz Antels „Vier Mädels aus der Wachau“ (1957) mit gleich zwei Zwillingspaaren, „Mariandl“ (1961) oder auch „Autofahrer unterwegs“ (1961). „Mariandl“ war eine Neuverfilmung von „Hofrat Geiger“. Waltraut Haas spielte die „Mutter“, der ehemalige Kinderstar Conny Froboess die „Mariandl“ und Hans Moser diente als „Windischgruber“. Den „Hofrat Geiger“ gab dieses Mal Rudolf Prack.

In „Wien, du Stadt meiner Träume“ mit Hans Holt und Hertha Feiler führte Willi Forst 1957 zum letzten Mal Regie, bevor er sich ins Privatleben zurückzog. Auch Ernst Marischka beendete seine Karriere als Regisseur, nachdem er 1958 „Das Dreimäderlhaus“ mit Karlheinz Böhm als Franz Schubert fertig gestellt hatte. 1959 starb sein Bruder Hubert. Er selbst starb vier Jahre später. 1959 versuchte man auch mit der Verwechslungskomödie „Die Halbzarte“ Romy Schneiders Image zu korrigieren. Darin spielte sie eine unmoralische, oft freizügig bekleidete, Jugendliche, die einem amerikanischen Produzenten imponieren will. Ihre Mutter spielte passenderweise Magda Schneider.

1961 erschienen unter der Regie von Géza von Cziffra der Eisrevuefilm „Kauf Dir einen bunten Luftballon“ mit Ina Bauer und der Skisport-Film „Ein Stern fällt vom Himmel“ mit Toni Sailer. Ein weiterer der damals aufgrund der Erfolge österreichische Eiskunstläufer vermehrt auftretenden Eisrevuefilme war „... und Du, mein Schatz, bleibst hier“. Dieser, 1961 von der Wiener Stadthalle produzierte und von Franz Antel inszenierte Film. Es war erst die zweite Produktion der „Wiener Stadthalle Betriebs- und Produktionsgesellschaft“, welche 1961 von der Stadt Wien gegründet wurde. Nach einer erfolgreichen Erstproduktion - der Musikkomödie „Unsere tollen Tanten“ - und jenem Eisrevuefilm folgten noch zahlreiche weitere Produktionen dieser Art. Insgesamt ließ sich die Stadt Wien die 25 Produktionen rund 100 Millionen Schilling kosten (rund 7,3 Millionen Euro, ohne Berücksichtigung der Inflation). Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Glaserer resümierte in einem Interview mit der Zeitschrift „Filmkunst“ (Nr. 47, S. 15): „Wenn wir mit den ‚Tollen Tanten‘ nicht solchen Erfolg gehabt hätten, dann wäre das ganze Geld nicht in den Eimer gegangen.“

1963 entstand die deutsch-österreichische Produktion „Das große Liebesspiel“ nach „Reigen 51“ von Carl Merz, Helmut Qualtinger und Michael Kehlmann, was wiederum auf „Reigen“ von Arthur Schnitzler basierte. Regie bei dieser Komödie führte Alfred Weidenmann. Die Hauptrollen wurden von Lilli Palmer, Hildegard Knef, Nadja Tiller sowie auch französischen und italienischen Schauspielern besetzt. In der in vier Beziehungsgeschichten aufgeteilten Komödie „Das Liebeskarussell“ von der Intercontinental-Film spielten 1965 unter anderem Gerd Fröbe, Catherine Deneuve, Curd Jürgens und der freizügig bekleidete schwedische Filmstar Anita Ekberg.

Aus Wikipedia

Filmschaffen in Österreich nach 1945

Im besetzten Nachkriegsösterreich, 1945 bis 1955

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Befreiung vom Nationalsozialismus war Österreich von den Alliierten besetzt, und die Filmindustrie kam aufgrund der Kriegsfolgen wie Zerstörung, Armut und Hunger nur sehr schleppend wieder ins Laufen. Es fehlte etwa an Personal, Kohle zum Heizen und Rohfilmmaterial. Die Stromversorgung kam regelmäßig zum erliegen und die Lebensmittel waren rationiert. Viele Ateliers, Kinos, andere Gebäude und Straßen waren zerstört. 1946 entstanden 2, 1947 13 und 1948 bereits 25 Filme im besetzten Österreich.

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Billy, the Kid

Billy the Kid-Filme in den BSL:
# Fuzzy außer Rand und Band
# Fuzzy, der Unsterbliche

"Billy", der wegen seines jungenhaften Aussehens den Beinamen "the Kid" bekam, wird als William Henry McCarty vermutlich Ende November 1859 in New Mexico geboren. Mit 14 Jahren wird er zur Vollwaise. Zwei Jahre später kommt er zum ersten Mal wegen Diebstahls ins Gefängnis. Im Alter von 18 Jahren tötet Henry zum ersten Mal. Er flieht nach Lincoln in New Mexico und nennt sich von nun an William Bonney. Dort gerät er in den so genannten Lincoln-County-Krieg.

Einer, der auf der Seite der Korruption und der Mafia steht, ist der Sheriff Brady. Dieser tötet den Engländer Tunstall, der die Betrügereien öffentlich machen will. „Billy the Kid“ rächt seinen Arbeitgeber Tunstall und erschießt Sheriff Brady zusammen mit einer Gruppe Männern. Die nächsten Jahre wird „the Kid“ von den Rächern Bradys gejagt bis er schließlich im Juli 1881 im Alter von nur 21 Jahren erschossen wird.

=> Der kurz gefasste Hintergrund der ganzen Geschichte auf BR-online samt Audiobeitrag
=> Mehr über die Geschichte des Wilden Westens auf der Website von Manfred Schmetkamp
=> Ein Versuch der Trennung von Mythen und Fakten über Billy the Kid auf der Website von Werners Country Club; darüber hinaus erstaunlich viele Informationen über den Wilden Westen.
=> Authentische Briefe, Fotos und Zeitungsartikel auf Geocities
=> About Billy the Kid
=> Billy the Kid auf Wikipedia
=> Trying to Know Billy the Kid: An Interview with Michael Wallis
=> Interview mit Drew Gombers über Billy's Flucht aus dem Gefängnis

Zu den Filmen:

=> Billy the Kid’s gun Justice & Billy the Kid in Texas
=>
Billy the Kid in Santa Fe
=> The Billy the Kid Series from Producers Releasing Corporation (PRC) 19 Films Released From 1940 - 1943 starring Bob Steele and Buster Crabbe on b-western.com
=> A complete Billy hte Kid Filmography

Vampirismus: Die Furcht der Eliten vor der Angst der vielen

Die Vampirismushysterie tauchte Anfang des 18. Jahrhunderts in den südosteuropäischen Grenzregionen des Habsburgerreiches auf: Tote, die nicht verwesen wollten, aus deren Wunden Blut austrat, bei denen angeblich sogar Haare und Nägel nachgewachsen waren. Die Menschen gerieten in Panik trieben diesen Untoten das Leben durch Pfählen, Köpfen und Verbrennen aus.

Auch die Zentren des Reiches gerieten in den Sog der Vampirismushysterie. Aufklärung und Wissenschaft brachten zu dieser Zeit soviel Neues hervor, dass auch vieles, das uns heute unmöglich erscheint, damals für möglich gehalten wurde.

Genauere Untersuchungen der Vorfälle durch Hygiene-Kommissionen brachten jedoch alsbald zu Tage, dass es sich dabei um die postmortalen Folgen allzu exzessiven Branntweingenusses während der christlich-orthodoxen Fastenzeit handelte. Doch der Keim des Unheils war gesät: Indem die Wissenschaft den Vampirismus erklärte, schuf sie die Vampirologie und bereitete damit den Boden für neuen Mystizismus, der in der Gothic Novel und den vielen Vampirfilmen seine Wiederauferstehung feierte. Welch Glück für uns Nachgeborene!

Aus dem Programmheft: Animé

Im Jahr 1914 wurden in Japan erstmals US-amerikanische, britische und französische Kurztrickfilme gezeigt. Japanische Filmgesellschaften begannen daraufhin, Zeichner für die Produktion eigener Animationsfilme einzustellen. Die ersten drei japanischen Trickfilme, schwarz-weiß, stumm und mit einer Laufzeit von wenigen Minuten, wurden 1917 im Abstand von wenigen Wochen veröffentlicht.

Die Meister der Frühzeit

Der bedeutendste der frühen Pioniere war Seitar Kitayama. Sein Film Momotar? (Pfirsichjunge) aus dem Jahr 1918 lief 1921 in Paris und war damit der erste außerhalb Japans gezeigte japanische Trickfilm. 1921 gründete er das erste japanische Trickfilmstudio Kitayama Eiga Seisaku-sho, in dem nicht nur Unterhaltungsfilme, sondern auch Animationen für Lehr- und Ausbildungszwecke entstanden.

Einer der Technikpioniere der 1930er-Jahre war Kenzo Masaoka, der 1932 den ersten vollständig vertonten japanischen Trickfilm, Chikara to Onna no Yo no Naka (Die Welt der Macht und der Frauen), produzierte. Von ihm stammte auch der erste ausschließlich in Folientechnik animierte japanische Trickfilm aus dem Jahr 1934. Masaokas Assistent Mitsuyo Seo, der 1933 sein eigenes Studio gründete, sollte in den 1940er-Jahren eine wichtige Rolle bei animierten Kriegspropagandafilmen spielen.

Während der Tonfilm in den USA von Disney bereits regulär verwendet wurde, war er für den breitflächigen Einsatz bei japanischen Trickfilmen zunächst noch zu teuer und setzte sich erst Mitte der 1930er-Jahre als Standard durch. 1937 drehte Nobur? ?fuji mit dem Film Katsura Hime den ersten farbigen Anime und auch den ersten japanischen Farbfilm, abgesehen von Propagandawerken. Der erste farbige japanische Spielfilm wurde erst 1951 gedreht, der Farbfilm jedoch schon in den 1940er-Jahren für Propaganda genutzt.

Noboro Ofuji (1900–1961) gewann ab 1952 mit seinen Kurztrickfilmen Preise auf internationalen Filmfestivals.

Der erste animierte Nachkriegstrickfilm in Spielfilmlänge war Hakujaden, der vom 1956 gegründeten Anime-Studio Toei Animation produziert wurde und im Oktober 1958 in die japanischen Kinos kam. Er gewann zahlreiche Auszeichnungen. 1961 wurde er unter dem Titel Panda and the Magic Serpent als erster Anime in den USA gezeigt.

Bedeutenden Einfluss auf den weiteren Weg der Animationstechnik in Japan hatte Yasuo ?tsuka (geboren 1931). Als Mitarbeiter von Toei Animation entwickelte er zusammen mit dem Anime-Regisseur Yasuji Mori (1925–1992) den für die ersten Jahre charakteristischen Zeichenstil des Studios und war Mentor von Zeichnern wie Hayao Miyazaki und Isao Takahata, die später mit der Gründung von Studio Ghibli Weltruhm erlangten. Auf ?tsuka gehen auch die Techniken zurück, die Anzahl der Bilder pro Sekunde dynamisch an den Handlungsablauf anzupassen und wichtige Szenen oder Teilabschnitte eines Anime durch besonders sorgfältige Animation hervorzuheben und den Rest aus Kostengründen eher schlicht zu halten.

Das goldene Zeitalter

Bislang waren Kinder das hauptsächliche Zielpublikum für Anime gewesen. Am 24. Oktober 1971 begann jedoch die Ausstrahlung der Serie Lupin III, die nach dem Vorbild der Arsène-Lupin-Romane des französischen Schriftstellers Maurice Leblanc die Abenteuer eines Meisterdiebes schilderte. Dies war die erste Anime-Serie, die sich gezielt an ein erwachsenes japanisches Publikum richtete und in einer realistisch angelegten Umgebung spielte. Obwohl die Serie zunächst schlechte Einschaltquoten hatte, wurde sie durch mehrere Wiederholungen schließlich zum Klassiker. Ihr Erfolg führte zu zwei weiteren Lupin-III-Fernsehserien, fünf Kinofilmen und noch heute in jährlichen Abständen produzierten Fernseh-Specials.

Obwohl bereits Ende der 1960er-Jahre erste Science-Fiction-Anime wie etwa Cyborg 009 entstanden, begann sich diese Richtung erst in den 1970er-Jahren dauerhaft zu etablieren. Dabei entwickelten sich die Geschichten, die ursprünglich zumeist auf den Sieg über einen zentralen Superschurken und dessen Helfer fixiert waren, weiter zu komplexeren Handlungen, in denen sich Gut und Böse oft nicht mehr eindeutig festlegen ließen. Das anfängliche Experimentieren mit Stil- und Handlungselementen führte zur Etablierung noch heute gültiger Standards, wobei sich gerade Endzeitutopien häufig im reichhaltigen geschichtlichen Fundus des Zweiten Weltkrieges bedienen.

Das von Osamu Tezuka 1961 gegründete Studio Mushi Productions ging 1973 in Konkurs (um bereits 1977 wieder neu aufgebaut zu werden), und seine ehemaligen Angestellten gründeten das Studio Madhouse oder wechselten zu ebenfalls neu gegründeten Studios wie Sunrise. Dadurch gelangten junge Talente in leitende Positionen, die experimentierfreudig und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen waren.

Einer dieser neuen Versuche war die von Isao Takahata und Hayao Miyazaki gemeinsam geschaffene und von Zuiyo Enterprise produzierte Anime-Serie Heidi nach einem Roman der Schweizer Schriftstellerin Johanna Spyri, die Anfang Januar 1974 ins Fernsehen kam. Ihr Erfolg veranlasste das 1975 in Nippon Animation umbenannte Studio zur Gründung des Projektes World Masterpiece Theater (kurz WMT). Ab 1975 wurde unter diesem Namen jedes Jahr eine Fernsehserie auf der Grundlage eines internationalen literarischen Werkes produziert, so etwa Niklaas, ein Junge aus Flandern nach einem Roman der Engländerin Marie Louisa de la Ramée, Marco nach einem Buch des Italieners Edmondo de Amicis oder Anne mit den roten Haaren nach einem Roman der Kanadierin Lucy Maud Montgomery. Obwohl viele herausragende Animationskünstler an diesen Serien mitarbeiteten und deren internationale Popularität auch heute noch unvermindert anhält, musste Nippon Animation das WMT-Projekt 1997 aufgrund finanzieller Probleme und nachlassender Einschaltquoten einstellen.

Die 1980er-Jahre werden auch als das „Goldene Zeitalter“ des Anime bezeichnet. Zu den vielfältigen Gründen hierfür zählen u. a. die Gründung neuer Studios von Weltrang, die Entwicklung neuer Medien und die zunehmende internationale Wahrnehmung von Anime als ernst zu nehmendem Bestandteil der Unterhaltungsindustrie.

Internationaler Durchbruch

Eine Sonderstellung in der Anime - Geschichte nimmt die Serie Neon Genesis Evangelion von Studio GAINAX ein, die auf der Grundlage der gesamten Weltgeschichte und mit Zitaten aus vielen Religionen, Philosophie und Naturwissenschaften eine komplexe Handlung aufbaut. Im Fokus stehen allerdings die Probleme und Zerwürfnisse der Figuren. Dies hat Neon Genesis Evangelion zur meistdiskutierten Anime-Serie aller Zeiten gemacht, deren Popularität auch heute noch unvermindert anhält.

Mit der Verleihung des Goldenen Bären der Berlinale und des Oscars an den Anime Chihiros Reise ins Zauberland schaffte das Anime-Genre den endgültigen internationalen Durchbruch. Chihiro wurde zugleich auch zum meistausgezeichneten Animationsfilm aller Zeiten.

Anime ist eine Abkürzung des englischen Begriffs animation (jap. anim?shon) und bezeichnet außerhalb von Japan, speziell in den westlichen Ländern, in Japan produzierte Animationsfilme. In Japan selbst steht Anime für alle Arten von Trickfilmen, für die im eigenen Land produzierten genauso wie für importierte.

Während europäische und amerikanische Zeichentrickfilme hauptsächlich auf ein jüngeres Publikum abzielen, kindgerechte Inhalte und Comedy daher im Vordergrund stehen und andere Genres eher Randerscheinungen darstellen, gibt es bei Anime ein breit gefächertes Themenspektrum für alle Altersstufen. Von Literaturverfilmungen (z. B. Das Tagebuch der Anne Frank) über Horror bis hin zu Sciencefiction werden nahezu alle Bereiche und Altersklassen abgedeckt. Auch gibt Genres bei Anime, die fast ausschließlich in diesen vorkommen, z. B. Mecha-Serien – Serien über haus- bis turmhohe Roboter. Ein Schwerpunkt der Produktionen liegt allerdings auch in Japan bei TV-Serien für Kinder und Jugendliche, denen oft etwas mehr „zugemutet“ wird als in westlichen Kinderfilmen üblich.

Diese Retrospektive wird mit dem KULTURVEREIN BSL – Breitenseer Lichtspiele veranstaltet. Ich danke Herrn Richard Pyrker von AniNite und Herrn Dirk Remmecke von Anime – Virtual für die Unterstützung bei dieser Retrospektive.